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Wohnsiedlung Tim + Struppi, Turbenthal

Mit dem Projekt "Tim + Struppi" gewinnt DHPA den Studienauftrag für die Bebauung Mühli-Grund in Turbenthal! Zwei zueinander ausgedrehte, über Lauben erschlossene Baukörper fassen den Naturraum mit angrenzendem Industriekanal und schaffen eine stimmungsvolle Wohnlandschaft.

Situation / Ortsbauliche Aspekte

Die Gemeinde Turbenthal liegt in einer Talsenke an einer Stelle, wo das Tösstal einen markanten Knick macht. Turbenthal war nie ein Bauerndorf. Die im 17. und 18. Jahrhundert entstandene Hausindustrie – vorab Spinnereien und Webereien – wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die Fabrikindustrie mit den Baumwollspinnereien Boller Winkler AG und Eskimo Textil AG sowie der Metallwarenfabrik Ulrich Bühler AG abgelöst. Die aus dieser Zeit stammenden Fabrikbauten und die für den mechanischen Antrieb der Produktion notwendigen Wasserkanäle prägen noch heute das Ortsbild.

Setzung der Baukörper

Im Süden zum Kanal hin bildet sich eine grosszügige, ruhige Wiesenfläche ergänzt mit dem attraktiven Solitärbaum und begrenzt durch das Gehölz entlang des Wasserkanals. Auf der der Wiese abgewandten Seite öffnet sich ein chaussierter Bereich, vereinzelt bespielt mit Möbeln, Velounterständen, Besucherabstellplätzen und in den gekiesten Bereich eingelassenen Intarsien mit Pflanzen. Hier sind die Begegnungsorte der Siedlung und die Adressen mit sämtlichen Eingängen. Über diesen mäandrierenden Weg- und Platzbereich werden der Mühleweg und die geplante Erschliessungsstrasse miteinander verbunden.

Eine den Wohngebäuden vorgestellte, dreigeschossige luftige Terrassen- und Laubenschicht bildet den belebten, aber auch schützenden Filter zwischen dem gemeinsamen Hofraum und Garten und der privaten Welt des Wohnens.

Architektur

Die beiden zueinander ausgedreht stehenden Baukörper bestehen je aus einem Längsbau und einem dazu versetzten und losgelösten Punktbau. Die Wohnungen werden über Lauben und eine Kaskadentreppe erschlossen. Im Punktbau befinden sich die Familien-, im Längsbau kleineren Wohnungen. Die Baukörper werden durch eine regelmässige Abfolge von Schotten gegliedert, wobei sich über Schaltzimmer unterschiedliche Wohnungskonfigurationen ausbilden lassen. Ein System von Raumkammern und Nischen, von vor- und eingeschobenen Bauteilen sowie im Wohnbereich mittig angeordnete Schiebeelemente erzeugen eine vielseitige erleb- und nutzbare Wohnlandschaft. Gleichzeitig wird über die Anordnung der Individualräume und durch die Schiebeelemente eine Differenzierung der Privatsphäre innerhalb der Wohnung ermöglicht. Der Laubengang wird zum Begegnungs- und Aufenthaltsort, ermöglicht nachbarschaftliche Kontakte und stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Konstruktion

Für die Gebäudekonstruktion wird eine Holzkonstruktion gewählt. Die Systematik des Holzbaus bestimmt das Ordnungssystem der Grundrisse und die sichtbar belassene Holzbalkendecke gibt den Takt. Mit der gewählten Konstruktionsart, den vor- und rückspringenden Elementen, den Lauben und Terrassen soll erreicht werden, dass der architektonische Ausdruck der Wohnsiedlung als möglichst leicht und beschwingt wahrgenommen wird. Die hinterlüftete Fassadenkonstruktion überzeugt durch ihre Langlebigkeit, die gute Zugänglichkeit der unterschiedlichen Bauteile und deren Auswechselbarkeit, sowie durch den Einsatz nachhaltiger Materialien.