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Überbauung Huebstrasse, Tagelswangen

Studienauftrag 2021

Für ihre Wohnsiedlung aus den Sechzigerjahren an lärmexponierter Lage plant die Gemeinnützige Baugenossenschaft Röntgenhof Zürich (GBRZ) Ersatzneubauten.

Die ortsbauliche Situation ist geprägt vom Nebeneinander von Gewerbe- und Wohnzonen. Heterogene Baukörper, mal quer, mal längs zur verkehrsintensiven Zürcherstrasse ausgerichtet, erzeugen im nordwestlichen Perimeter eine harte Prägung und kaum auffindbare Aufenthaltsqualität. Ausgereizt sind die baurechtlichen Spielräume der südwestlich situierten Mehrfamilienhäuser, nicht aber die architektonische Qualitäten des Vorgefundenen. Gegen Südosten hangaufwärts wandelt sich die Situation – nicht nur die Lärmsituation betreffend. So weist die Huebstrasse durchaus das Potential einer Wohnstrasse auf und auch die Anbindung an den nahen Wald ist als Qualität zu werten.

Mit unserem städtebaulichen Ansatz fassen wir mittels zwei robusten Gebäudetypen einen Hofraum und schaffen damit einen Rückzugsort und eine Identitätsstiftende Mitte.

Gefasst wird dieser von einer schlanken, fünfgeschossigen Scheibe als klarer Abschluss entlang der Zürcherstrasse und einem L-förmigen, als dreigeschossiges Grundvolumen konzipierten und gegen Südwesten und gegen Südosten mit einem vierten Geschoss akzentuierten Gebäude. Entlang der Huebstrasse resultiert eine bezüglich Körnigkeit und Traufhöhe angemessene Massstäblichkeit. Gleichzeitig vollzieht der abgewinkelte Gebäudeteil eine der Terrainsituation folgende Einleitbewegung und einen räumlichen Abschluss.

Hofseitig wird der L-förmige Gebäudekörper mit einem Plateau gefasst, welches sich gegenüber dem Hofniveau mit einer kleinen Geländekante manifestiert. Eine Pergolakonstruktion definiert den Aufenthaltsbereich für die Bewohnenden und führt zu einer themenreichen Bespielung des Hofraumes. Das Sockelgeschoss des Baukörpers «Zürcherstrasse» wird hofseitig rund vier Meter ausgeweitet, wodurch die Höhe der Hoffassade gebrochen wird. Gleichzeitig erhalten die lärmtechnisch am stärksten betroffenen Wohungen des ersten Obergeschosses einen aufwertenden Aussenbereich.

 

Durch die Erhöhung des Sockelgeschosses und die Ausbildung eines Splits zum Hofraum hin, entsteht zusammen mit dem Gebäudekörper «Huebstrasse» eine interessante Schnittfigur, welche feine Differenzierung zwischen halböffentlichen und privaten Nutzungen erzeugt. Die Adressierung erfolgt dieser Logik folgend von den Strassenräumen aus und entlastet den Hofraum, welcher bewusst den Kontrapunkt zur lärmexponierten Zürcherstrasse bildet.

Entsprechend der ortsbaulichen Gegebenheit antworten wir mit einer robusten Gebäudestruktur, dessen Rhythmus auch in der Gestaltung der Fassade ablesbar ist. Das Spiel von verschieden hohen, horizontalen Bädern in vorfabriziertem Betonelementen erfährt durch den strengen Gebäudetakt Halt und Ordnung. Grosszügige Loggien reichern den setzkastenartigen Fassadenausdruck zusammen mit Füllungen aus verputzem Mauerwerk an. Farblich werden Verputz und Beton aufeinander abgestimmt und eher zurückhaltend ausformuliert um eine optische und selbstverständliche Einbindung in den ortsbaulichen Kontext zu erzeugen.

In beiden Gebäudekörpern werden «Durchwohner» mit vorgelagerten Loggien und hof- wie auch strassenseitig angeordneten Küchenzonen angeboten. Lateral angeordnete Zimmer werden auf die lärmabgewandete und besonnte Seite orientiert. Die Art der Wohnraumkonzeption erzeugt nur wenig Verkehrsflächen und lassen durch die beidseitige Befenstereung schöne Aussenraumbezüge zu.

Als Grundtyp wurden eine 3 ½ Zimmer und eine 4 ½ Zimmerwohnung entwickelt, aus welchen sich je eine 2 ½ Zimmer oder eine 5 ½ Zimmerwohnung ableiten lässt. Die einfache und zweckmässige Materialisierung der Wohnungen mit Holzböden, Sichbetondecken und Auszeichnungen der Zugangs- und Küchenbereiche mit Feinsteinzeugplattten erzeugen eine stimmungsvolle und angenehme Raumwirkung.