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HPS Michaelschule, Winterthur

In der heilpädagogischen Sonderschule werden Kinder mit starken Entwicklungsverzögerungen und intellektuellen Einschränkungen in kleinen Klassen vom ersten bis zum elften Schuljahr geschult und gefördert. Verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen machten es notwendig, das aus dem Jahr 1985 stammende Gebäude der Michaelschule durch einen Ergänzungsbau zu erweitern.

Der Neubau antwortet auf die bestehende schwere und expressive Backsteinarchitektur aus den 1980er-Jahren mit einem leichten mit Holz verkleideten Gebäudekörper. Der weiss gestrichene Kubus schiebt sich auf der Eingangsseite mit der Stirn ganz nah an den Altbau heran. Zwischen Alt und Neu bleibt so nur eine schmale überdachte Fuge. Das abfallende Gelände erlaubt es, das Erdgeschoss zur Hälfte einzugraben und die Spielwiese u-förmig zu umfassen. Auf ein durchgehendes Attikageschoss wird bewusst verzichtet. Nur einen kleinen «Adlerhorst» für Lehrer setzen die Architekten aufs Flachdach.
Der Neubau hat auf der Stirnseite einen eigenen Eingang, den ein weites Vordach anzeigt. Das Entrée ist kein Raum, der durch Grösse, Lichtspiel oder Weite beeindruckt, sondern der Auftakt zu einer feinsinnigen, auf die Schüler ausgerichteten Material- und Farbreise. Die Führung übernimmt der rostrot leuchtende Kunststoffboden; er zieht einen förmlich den schmalen, 36 Meter langen Mittelgang hinunter. Hell ausgeleuchtete, mit naturbelassenen zementgebundenen Holzfaserplatten ausgefütterte Nischen wechseln sich darin mit dunklen anthrazitfarbenen Wandblöcken ab. In den Rücksprüngen befinden sich die Eingänge zu den Klassenzimmern. Spannend machen das ganze Haus seine Gegensätze: Der Gang ist eher introvertiert und «kalt», die Klassenzimmer sind «warme», nach aussen orientierte Holzschatullen.

Dass das Spiel mit Hell und Dunkel, mit Hart und Weich, mit Material und Farbe, das dem statischen Haus Dynamik verleiht, nicht aus den Fugen gerät, dafür ist die klare Gebäudestruktur verantwortlich. Sie besteht aus je leicht gegeneinander versetzten Reihen von Sichtbetonscheiben. Der klare und einfache Aufbau des Tragsystems gibt der Architektur ihren Halt und den Architekten Spielraum: Es erlaubt ihnen, einerseits auf Änderungen im Raumprogramm bis zur letzten Minute reagieren zu können. Andererseits ermöglicht der strenge Raumraster das Spiel mit Fülle und Leere, was die Architekten für spannende Raumfolgen nutzen.

(Auszug aus Text von Roderick Hönig, Redaktor Hochparterre)

  • Geschoss­flächen SIA 416:
    1 297 m2
  • Gebäudevolumen SIA 416:
    7 089 m3
  • Anlagekosten BKP 1–5:
    Fr. 6 750 000
  • Baukosten BKP 2 /m3 GV SIA 416:
    Fr. 688