Schulhaus GOSU, Neunkirch

Selektiver Generalplanungswettbewerb 2022, 1. Rang
Realisierung 2024-2025

Die Gemeinden Hallau, Neunkirch und Wilchingen beabsichtigen ein neues Schulgebäude für die gemeinsame Oberstufe zu erstellen. Im selektiven Generalplanungswettbewerb konnte der Projektvorschlag Siegfried & Roy die Jury überzeugen.

Städtebau

Ausgehend von der Lektüre des geschützten Ortsbildes von Neunkirch ergänzt der Längsbaukörper der neuen Sekundarschule die bestehende Schulanlage und stärkt die prägende Achse am Müligraben mit seiner Baumallee. Die Ausformulierung des Dachs nimmt die Gliederung der Bauten des Stätdlis auf und schafft eine differenzierte Silhouette.

Die Setzung des Baukörpers erlaubt die Ausformulierung von zwei für den Schulbetrieb wichtigen Aussenbereichen: Einerseits wird der heute bestehende, tiefer gelegene und räumlich gefasste Zugang zum bestehenden Schulhaus zu einem angemessenen Pausenplatz erweitert und andererseits entsteht auf einer oberen Ebene und dem Neubau vorgelagert ein wertvoller, geschützter und vielseitig nutzbarer Aussenbereich. Die Sitzstufen im Freien, aber auch die Wegführung im Innern des neuen Schulhauses verbinden die beiden Aussenbereiche zu einer kompositorischen Einheit.

Demgegenüber wird das Volumen der Sporthalle von der Achse der Schulstrasse bewusst abgesetzt und belässt so den wohltuenden Freiraum neben der Städtlihalle mit dem Baumbestand und den Parkplätzen in seiner heutigen Form. Die Sporthalle bildet zusammen mit dem Clubhaus, dem Fussballplatz und dem neu platzierten Hartplatz ein eigenständiges, funktionelles Ensemble, das gut in des bestehende Wegnetz eingebunden wird.

Der Einschnitt mit der bestehenden Rampe zur Zivilschutzanlage und die neue Rampe zu den Parkplätzen auf der Ostseite werden überdacht und mit den gedeckten Flächen für die Velo-, Töffli- und Trottinett Abstellplätze zu zwei untergeordneten, aber dennoch eigenständigen Nebenbauten zusammengefasst.

Sekundarschulhaus

Das Schulhaus weist drei unterschiedliche Nutzungsebenen auf:
Das Untergeschoss mit dem Zugangsbereich zum Pausenplatz beherbergt die Räume des Förderzentrums und der Infrastruktur sowie die Tiefgarage mit 66 vermietbaren Parkplätzen.

Im Erdgeschoss befinden sich der Lehrer- und Schülerbereich sowie die Räume für die Musik, die Hauswirtschaft und das Gestalten. Diese Räume haben eine direkte Verbindung zu den ihnen vorgelagerten Aussenbereichen.
Das Obergeschoss ist dem allgemeinen Unterricht vorbehalten.

Die Schulcluster als prägende Funktionseinheit des Programms definieren Struktur und Massstab des oberirdischen Baukörpers. Die Setzung der Treppen sichert die räumliche und funktionelle Einheit der einzelnen Cluster und ermöglichen das Nebeneinander der Räume für den klassischen Unterricht ergänzt mit einer vielfältigen Lernlandschaft. Atmosphärisch prägen die Holzkonstruktion und die wechselseitig sich öffnenden Schrägdächer mit den Oblichtbändern diesen Unterrichtsbereich. Balkone für die Entfluchtung ermöglichen die umfassende Möblierung der Nutzflächen und dienen zudem dem passiven Sonnenschutz.

Das Sekundarschulhaus wird am höchsten Punkt der Schulstrasse bei der Kreuzung mit der Gächlingerstrasse von Süden her betreten. In den überhohen Räumen (Raumhöhe 3.50m) des Erdgeschosses befinden sich der Zentrale Schulbereich mit dem Mehrzweckraum in Verbindung mit dem Aufenthaltsraum, sowie der Lehrerbereich und die Räume für den Fachunterricht. Ein grosser Teil der Räume im Erdgeschoss weist eine direkte Verbindung zu den vorgelagerten Aussenbereichen mit deren vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten auf. Ein innerer Parcours führt vom Eingang auf der Gebäudeostseite durch das abwechslungsreiche Innere mit den rhythmisierenden Treppenaufgängen und den grösseren und kleineren Nischen und taucht auf der Gebäudeostseite auf das Niveau des Pausenplatzes mit dem gedeckten Aussenbereich und den Räumen des Förderzentrums und des Infrastrukturbereichs ab.

Sporthalle

Der Zugang zur eingeschossig ins Terrain eingelassenen Sporthalle ist präzis gesetzt und befindet sich am Kreuzpunkt der Wegachse an der Westseite der Städtlihalle mit dem Verbindungsweg auf der Nordseite der Schulgebäude. Gegenüber dem auf der Südseite angeordneten Eingangsbereich mit Office, Foyer und Zuschauergalerie erlaubt eine durchgehende Fensterfront auf der Gebäudenordseite die Sicht auf den Fussballplatz und den Aufenthaltsbereich des Clubhauses. Die natürliche Belichtung der Halle wird durch Oblichtbänder ergänzt, die analog zum Sekundarschulhaus in die geflechtartige Dachkonstruktion eingewoben werden.

Aussenraumgestaltung

Durch die Setzung der beiden neuen Bauvolumen entsteht in der Vorzone zur Schulstrasse hin eine Abfolge von verschieden tiefen, gestaffelten Aussenräumen. Diese sind an den bestehenden Erschliessungeweg angegliedert und über diesen behindertengerecht zugänglich. Der bestehende Weg wird als Achse gestärkt und mit flankierenden Sitzelementen und kleien, platzartigen Aufweitungen ausgestattet. Das Niveau des bestehenden Pausenhofes wird konsolidiert und die geschosshohe Differenz zum neuen Pausenhof konsequent über die Stufenanlage am neuen Schulhaus überwunden. Der neue, chaussierte Pausenhof ist mit seinen Nischen und Sitzmöglichkeitenals als direkte Ergänzung der Innnenutzung vorgesehen während der vergrösserte, bestehende Platz als Aufenthalts- und Spielplatz für alle dient.

Rückseitig des neuen Schulgebäudes sind Velos und Tiefgaragenabfahrt angeordnet. Entlang der Nordfassade haben die Unterrichtszimmer, analog des bestehenden Schulhauses, ihren eigenen Aussenraum.

Die hinter den bestehenden Parkplätzen platzierte, neue Turnhalle steht in direkter Anbindung zu den Sportplätzen und definiert so einen eigenen Nutzungsbereich. Verbindend und als Verzahnung zur Schulumgebung stehen Sitzelemente mit Schattenbäumen in chaussierten Flächen.

Nordseitig der Turnhalle befindet sich der grosse Sitzplatz des Clubhauses direkt am Spielfeldrand.

Die Grünflächen werden als Wildblumenwiesen und Bienenweiden angelegt und mit punktuellen Interventionen für spezifische Arten ausgestattet. Die Flächen für die Biodiversität werden so maximal aufgewertet.

Visualisierungen: Tom Schmid